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Was ist eigentlich

Cäcilianismus ?

Querverweise zu Hörbeispielen finden Sie unten auf der Seite.

Cäcilianismus ist eine Stilrichtung der sakralen Musik des neunzehnten Jahrhunderts.

Peter Heinrich Thielen, Kantor zu GochPeter Heinrich Thielen

Basierend auf dem Gedankengut der Französischen Revolution und den darauffolgenden kulturellen Veränderungen durch die Herrschaft Napoleons entwickelte sich auch die kirchliche Musik des neunzehnten Jahrhunderts parallel zur Romantik mit ihren zahlreichen Verästelungen. Hieraus entstand in Europa ein großes Bedürfnis nach neuen Ausdrucksformen der Künste. Da sich aber gleichzeitig ein starkes Nationalbewusstsein und ein noch stärkerer Individualismus entwickelte, der seine Kraft vor allem aus den Erkenntnissen der Aufklärung zog, gab es im katholischen Bereich intensive Bestrebungen, der Verweltlichung geistlicher Musik entgegenzuwirken. So entstanden schon bald in vielen kirchlichen Kunstdisziplinen Stilrichtungen wie Nazarener (Malerei)und Neugotik (Kirchenbau). Auch in der Musik orientierten sich viele Komponisten an den Werken der "alten" Künstler wie Orlando di Lasso und Giovanni da Palestrina.

Angeregt durch die vorbildliche Vorreiterrolle des Cäcilienvereins von 1868 und seines "Motors" Franz Xaver Witt wurde diese Rückbesinnung auf die klassische Kompositionsweise als Cäcilianismus bekannt. Diese Stilrichtung verpflichtete die katholische Kirchenmusik zurück auf den mehrstimmigen, nicht von Instrumenten begleiteten Chorgesang, so wie er in der Renaissancezeit von Giovanni da Palestrina gepflegt wurde. Sie verstand sich als Reaktion auf die instrumentale Kirchenmusik der Klassik, als Parallele zum Nazarenertum in der Malerei, und wollte durch Rückbesinnung auf althergebrachte Werte im Einklang mit sittlich strengem Lebenswandel zur moralischen Erneuerung beitragen. Zahlreiche Kirchenmusiker beschäftigten sich mit diesem neuen Stil; so auch Thielen. Obwohl Autodidakt, erzielte er mit seinen über 200 Werken bei seinen Zeitgenossen hohe Anerkennung. Seine Kompositionen wurden gedruckt und veröffentlicht; damals wegen der damit verbundenen hohen Kosten beileibe nicht selbstverständlich.

Cäcilianismus in den Niederlanden
Die ersten Cäcilianer der katholischen Kirche in den Niederlanden waren Geistliche, die 1876 das "Gregoriusblad", die Niederländische Zeitschrift für Kirchenmusik herausgaben, ganz im Geiste des Cäcilianismus nach dem Vorbild der deutschen Zeitschrift "Musica sacra" von Dr. Franz Xaver Witt, die im ganzen deutschsprachigen Raum vertrieben wurde. Die Niederländer beobachteten, studierten und kopierten schließlich die deutschen Aktivitäten. Es gab zwar auch aus anderen Ländern Europas wie Frankreich (Solesmes) und Belgien (Erzbistum Mechelen) starke Anregungen zur Erneuerung der Kirchenmusik, doch der deutsche Einfluss war vorherrschend. Für die Einstudierung der cäcilianischen Chorwerke nutzten die Niederländer deutsche Ausgaben. Niederländische Musiker nahmen an den Versammlungen des deutschen Cäcilien-Vereins teil, und die geistlichen Chorleiter und Kantoren fuhren nach Gründung der Kirchenmusikschule zum Studium nach Regensburg. Die Laien wurden im Gregoriushaus in Aachen ausgebildet.

Auf der Provinzialen Synode von Utrecht 1865 wurde schon früh das Fundament für eine neue Liturgie beschlossen. Dies war deshalb notwendig geworden, da 1853 die Bischöfliche Hierarchie, die als Folge der Reformation aufgehoben war, wieder eingesetzt wurde und man einer neuen Ordnung und eines neuen Regelwerkes bedurfte. Für den musikalischen Bereich wurden zwei Forderungen aufgestellt:
1. Verbesserung der Sing- und Aufführungspraxis, und
2. Einführung eines liturgisch-musikalischen Geistes, welcher sich ausschließlich den Idealen des Cäcilianismus verpflichtet fühlen sollte.

Vorgaben für die Sakralmusik

Vor allem anderen sollte die mehrstimmige Musik ernsthaft, würdig, stilrein und majestätisch sein. Es durfte keine Melodie erinnern an Unterhaltungsmusik oder an die Oper. Kirchenmusik sollte keine Rührseligkeiten erwecken, wofür im Kirchenraum kein Platz sei. Nur zum Auszug des Gottesdienstes sollten Lieder in der Volkssprache gesungen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass Text und Melodie der eigensprachigen Lieder die Leute erbauten. Profane Melodien sollten abgeschafft werden.

Auch das Orgelspiel erhielt neue Regeln. Geeignetes Orgelspiel hatte stattlich und vornehm im Tempo und keusch in der Melodie zu sein und völlig frei von Künstelei. Andere Instrumente wurden verboten oder waren seitens der kirchlichen Behörde zustimmungspflichtig. Ebenfalls sollte entsprechend der Levitenordnung das Singen in der Kirche nur Männern zugestanden werden. Auch mussten die Sänger vorbildlich in ihrer christlichen Lebensführung sein, da das Amt eines Kirchenmusikers ein recht liturgisches und heiliges Amt war.

Diese Forderungen gerieten aber schon ab ca. 1900 in starke Kritik. Die Musik des Cäcilianismus nutzte hauptsächlich nur die eigenen Töne einer Tonleiter. Doch die allgemeine Musik hatte sich angereichert mit vielen Nebentönen, was ebenso auch Kirchenmusiker wie z.B. Alphons Diepenbrock begeisterte, der mit dieser chromatisch angereicherten Kompositionstechnik eine "Missa Solemnis" komponiert hatte. Schon 1894 entstanden, durfte sie zum erstenmal erst 1916 in der Utrechter Kathedrale gesungen werden.

Die niederländische Musik nahm nun eine eigene Stilentwicklung:
1. Kirchenmusik diente nicht mehr ausschließlich der Erbauung.
2. Die Kirchenmusik war in abnehmendem Maße auf Devotion gerichtet.
3. Wichtig an dieser Entwicklung war eine neue Objektivität im Verhältnis von Musik und Liturgie. Und hier treffen sich niederländische Katholiken und Protestanten in Richtung gleicher musikalischer Ziele.

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Hörbeispiele

  • BH 8401   Maria Magdalena - Oratorium

    (ein Hörbeispiel aus dem Oratorium können Sie hier starten:)
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    Ein vollständiges Werkverzeichnis über die Hinterlassenschaft von Peter Heinrich Thielen existiert derzeit noch nicht; seine Erarbeitung ist ein Gegenstand der Thielen-Forschung.

    Zur Biografie und Einordnung vgl. auch Hans Rühl: Ein Kranenburger Komponist: Peter Heinrich Thielen, in: "Kranenburg. Ein Heimatbuch", Kranenburg 1984, S. 127f.

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