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Biografie

Peter Heinrich Thielen

Ein Hörbeispiel zum Werk P.-H. Thielens finden Sie unten auf der Seite.

Vom Gemeindeschreiber zum Komponisten

Peter Heinrich Thielen (geb. 11. August 1839 in Kranenburg; gest. 9. Januar 1908 in Goch) war ein deutscher Organist und Komponist.

Wir schreiben das Jahr 1839. Das britische Empire ist weltweit auf dem Vormarsch; Aden, Hongkong und Karatschi werden von britischen Truppen besetzt. Louis Daguerre stellt sein bahnbrechendes Konzept zur Fotografie vor, die erste Bahnlinie in den Niederlanden wird zwischen Amsterdam und Haarlem in Betrieb genommen, und in London erscheint der Reisebericht von Charles Darwin über seine Fahrt mit der HMS Beagle. In diese Zeit hinein wird am 11. August in der kleinen niederrheinischen Gemeinde Kranenburg Peter Heinrich Thielen geboren.

Thielen stammte aus einfachen Verhältnissen, seine Eltern waren der Schuster Heinrich Thielen und dessen Ehefrau Maria. Im Schatten der Stifts- und Wallfahrtskirche Sankt Peter und Paul aufgewachsenen, ist über den schulischen Werdegang Thielens und seine musikalische Ausbildung kaum etwas bekannt. Eine berufliche Anstellung fand er beim Bürgermeisteramt als Gemeindeschreiber. Schon früh galt seine besondere Zuneigung der Kirchenmusik. In Sankt Peter und Paul spielte er die Orgel - nach dem Zeugnis der Zeitgenossen auf beachtlichem Niveau. Auch leitete er den seinerzeit schon bestehenden Pfarrchor. In dieser Zeit stand Thielen bereits den Grundsätzen des Cäcilianismus nahe.

Thielen hat sich sein sein kompositorisches Handwerk vollständig autodidaktisch im Selbststudium erarbeitet. Er erhielt zwar privaten Klavier-und Orgelunterricht, konnte aber wegen seiner enormen Begabung und "seiner enormen Geistesanlagen" schon bald neben seiner bürgerlichen Tätigkeit den Orgel- und Chorleiterdienst in Kranenburg übernehmen. Sein Arbeitspensum muss enorm gewesen sein, vor allem wegen seiner Gehbehinderung, deretwegen er wohl auch zeitlebens ehelos blieb.

GregoriusordenPäpstl. Gregoriusorden

Aus Anlass eines Chortreffens in Keeken am Altrhein im Jahre 1874 lernte Thielen den Gocher Pfarrer Ehringhausen kennen. Der bot ihm schon wenige Wochen später eine Stelle als "Chordirector" an. Thielen nahm am 15. Juni desselben Jahres den Dienst an der Gocher Pfarrkirche St. Maria Magdalena auf und zählte schon bald zu den bekanntesten Kirchenmusikern seiner Zeit. Ihm fiel die schwierige Aufgabe zu, kirchenmusikalische Zustände im Sinne der Bestimmungen und Vorschriften des von Papst Pius IX. bestätigten Konzils sowie des Allgemeinen Cäcilien-Vereins herbeizuführen. In den 33 Jahren seiner Zeit als Organist und Leiter des Pfarrcäcilienchores der Gemeinde erblühte das erstaunliche Wirken von Peter Heinrich Thielen, dem übrigens in Kranenburg und Goch jeweils eine Strasse gewidmet ist.

Thielens Kompositionen fanden im gesamten deutschsprachigen katholischen Raum Beachtung. 1898 ernannte ihn Papst Leo XIII. zum Ritter des Gregorius-Ordens. Vom bayerischen König erhielt Thielen zum Dank für eine Komposition ("Ave Maria für 16 Singstimmen in vier Chören)" anlässlich der silbernen Hochzeitsfeier der Königlichen Hoheiten, dem Herzog Carl Theodor von Bayern und der Herzogin Maria J. B. von Braganza, Infantin von Portugal am 29.4.1899, die Große König-Maximilians-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen und durfte seit 31. Juli 1903 den Titel "Königlicher Musikdirektor" tragen.

Geburtshaus PH ThielensHier wohnte P.-H. Thielen in Kranenburg

Als Komponist legte Thielen großen Wert auf die Vielstimmigkeit, in einer Zeit mit nahezu ausschließlich mit Männerstimmen besetzten Kirchenchören ein schwieriges Unterfangen. Thielen gehörte zu den Mitbegründern und wesentlichen Protagonisten der musikalischen Strömung des Cäcilianismus. Diese Stilrichtung verpflichtete die katholische Kirchenmusik zurück auf den mehrstimmigen, nicht von Instrumenten begleiteten Chorgesang, so wie er in der Renaissancezeit von Giovanni da Palestrina gepflegt wurde. Sie verstand sich als Reaktion auf die instrumentale Kirchenmusik der Klassik, als Parallele zum Nazarenertum in der Malerei, und wollte durch Rückbesinnung auf althergebrachte Werte im Einklang mit sittlich strengem Lebenswandel zur moralischen Erneuerung beitragen.

Thielen komponierte als Autodidakt. Er schuf über 200 Werke, darunter Chorsätze, Lieder und Messen. Thielens Denken und Arbeiten kreiste stets um eine Kirchenmusik ohne instrumentale Begleitung, die der Verkündigung der Worte Jesu in deutlich vernehmbarer und inhaltlich ernsthafter Form gerecht werden sollte, darüber hinaus aber den am Gottesdienst Teilnehmenden aus seinem Alltag heraus in eine "bessere Welt" zu versetzen hatte. Dabei verzichtete Thielen auf Frauenstimmen und komponierte für Knaben- und Männerchor mit der Folge, dass viele Kirchenchöre heute den Beginn ihrer Existenz zeitlich mit dem Wirken Thielens festsetzen (obwohl sie schon vorher mit Frauenstimmen besetzt waren). Peter Heinrich Thielen vermachte seine Kompositionen und die 33 Bände umfassende Gesamtausgabe der Werke Palestrinas der Kirchenmusikschule Münster.

Die Frage liegt nahe, warum seine Werke auch in seinem engeren Wirkungskreis heute fast völlig in Vergessenheit geraten sind. Thielen war, wie jeder von uns, an seine Zeit gebunden. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist kunstgeschichtlich - und das gilt für die Kirchenmusik nicht weniger als für die Musik überhaupt - eine Zeit, die heute geringeres Interesse findet. Der Cäcilianismus entfachte vor allem eine Vertiefung der kirchlichen Gebrauchsmusik, ohne im allgemeinen von der Substanz her die eigene Zeit lange zu überleben. In diesen kurzzeitigen schöpferischen Impuls ordnet sich auch das künstlerische Schaffen Peter Heinrich Thielens ein.

Peter Heinrich Thielen starb, hoch geachtet und verehrt, am 9. Januar 1908 in Goch. Thielens Grabmal, noch heute gepflegt und in gutem Zustand, befindet sich auf dem Friedhof in Kranenburg.

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Werke:

Peter Heinrich Thielen hat seine Kompositionen testamentarisch der Kirchenmusikschule in Münster vermacht. Sie werden heute in den Mappen des Handschriftennachlasses Franz Xaver Haberl in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg aufbewahrt.


  • BH 8401   Maria Magdalena - Oratorium

    (ein Hörbeispiel aus dem Oratorium können Sie hier starten:)
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    Ein vollständiges Werkverzeichnis über die Hinterlassenschaft von Peter Heinrich Thielen existiert derzeit noch nicht; seine Erarbeitung ist ein wesentlicher Gegenstand der Thielen-Forschung.

    Zur Biografie und Einordnung vgl. auch Hans Rühl: Ein Kranenburger Komponist: Peter Heinrich Thielen, in: "Kranenburg. Ein Heimatbuch", Kranenburg 1984, S. 127f.

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